Powerman Zofingen ohne Vansteelant

Ohne Vansteelant zu neuen Streckenrekorden

Zwischen dem 6. und 8. September feiert der Powerman Zofingen sein 25-Jahr-Jubiläum. Mehr noch: Nach 1997, 1998, 1999, 2011 und 2012 tragen die ITU (International Triathlon Union) und die IPA (International Powerman Association) in Zofingen zum sechsten Mal gemeinsame ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships aus. Was würde also besser passen als zwei neue Streckenrekorde zu diesem Jubiläum. Aber eben: Weltmeister und Streckenrekord-Inhaber Joerie Vansteelant muss wegen den Folgen eines Rad-Trainingsunfalls wenige Tage vor dem Powerman Zofingen kapitulieren.

    Dieses Bild wird es heuer beim 25. Powerman Zofingen nicht mehr geben, da der Belgier Joerie Vansteelant nicht antreten kann. Im letzten Jahr gratulierte der neue 2013-Topfavorit Rob Woestenborghs (rechts) seinem Landsmann Joerie Vansteelant (links) zum Sieg.

Winner Powerman Zofingen 2012

    Die schwedische Vorjahressiegerin Eva Nyström (links) und die letztjährige WM-Zweite, die Britin Lucy Gossage (rechts), wollen sich beim 25. Powerman Zofingen gegenseitig zu einem neuen Streckenrekord pushen.

«Jedes Jahr, in dem die ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships in Zofingen präsentiert wurden, hat das lokale OK kleine Verbesserungen umgesetzt und konnte so einen hochklassigen Event auf Weltklasse-Niveau präsentieren», lobt Brian Hinton, seines Zeichens Mitglied des ITU MultiSport Komitee und in Zofingen ITU Team-Leader, das OK des Powerman Zofingen. 1999 besuchte Hinton den Powerman Zofingen erstmals. «Ich traf dabei das Gründer-Duo Urs Linsi/Bruno Imfeld und erlebte ein fantastisches Rennen, das mir das lokale OK und die Stadt Zofingen präsentierten», erinnert sich Hinton. «Das Rennen wurde mit der Zeit zum kultigen Duathlon-Härtetest, der die besten Wettkämpfer anzuziehen vermag.» Er werde dieses Jahr erneut sehr eng mit dem lokalen OK zusammenspannen um ein Rennwochenende auf höchstem Niveau abliefern zu können. Hinton lässt durchblicken, dass heuer wohl nicht die letzten ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships in Zofingen ausgetragen werden. «Die ITU und die IPA haben mit Zofingen auch in Zukunft eine sehr gute Option.»

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Über 1500 Teilnehmer erwartet

Auch regional und national geniesst der Powerman Zofingen einen sehr grossen Stellenwert. Er ist Mitglied von «Aargau Top Sport», dem die wichtigsten Aargauer Sport-Grossanlässe wie der Hallwilerseelauf, die Pferderennen Aarau, das Mountainbike-Rennen Gränichen, die Radsporttage Gippingen und das Baden Curling-Masters angehören. Der Powerman Zofingen ist zudem auch ein offizieller Swiss Olympic Event und damit im Kanton Aargau die einzige WM mit einem solchen Status. In den letzten sieben Jahren konnte der Powerman Zofingen die Teilnehmerzahlen in den verschiedenen Starts wie PowerKids, Powerman CHARITY, Kurz- und Langdistanz stets steigern. In den letzten beiden Jahren machten um die 1‘300 Leute mit, so viele wie seit 2000 nicht mehr und heuer will das OK sogar die 1‘500 Teilnehmer-Grenze sprengen. Anmelden kann man sich nach wie vor fast in allen Kategorien via Powerman Zofingen-Homepage www.powerman.ch. Einzig über die Langdistanz können nur noch Athletinnen und Athleten von den einzelnen Landesverbänden angemeldet werden. Einzel-Athleten über die Langdistanz können sich weiterhin für die einzelnen Altersklassen anmelden.

Joerie Vansteelant im Pech

Kurz vor dem 25. Powerman Zofingen gab es schlechte Nachrichten von Joerie Vansteelant aus dem zweiten Höhentrainingslager in diesem Jahr in Font-Romeu in den Französischen Pyrenäen: «Ein Auto schoss mich hier oben im Radtraining ab», sagte der 31-jährige Belgier. «Das Auto überquerte unmittelbar vor mir die Strasse, ich hatte keine Chance, ihm auszuweichen.» Vansteelant bereitete sich, wie schon letztes Jahr, in den französischen Bergen auf die Zofingen ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships vor, wo er am 8. September Titelverteidiger wäre. «Ich bin zwar einigermassen ok, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich am Unfallort mit über 50 km/h auf dem Velo unterwegs war …! Mein neues Bike ist jetzt zweigeteilt, doch das schmerzt mich nicht so sehr, kann und wird man dieses doch ersetzen.» Vansteelant selbst trug ein paar erhebliche Schrammen am Arm und an den Hüften davon. «Am meisten Sorge bereitet mir mein Kreuzbein, das mir höllisch weh tut, wenn ich auf dem Rad versuche Tempo zu machen und noch mehr Probleme bereitet mir dieses, wenn ich zu rennen versuche.» Nach einer Konsultation bei einem Sportarzt, kam dann sogar die Kapitulation Vansteelants: «Er sagte mir, dass ich am 8. September vor allem beim Laufen viel zu grosse Schmerzen haben würde. Obwohl ich mich so sehr auf den 25. Powerman Zofingen gefreut hatte, muss ich nun schweren Herzens und moralisch völlig am Boden zerstört, bekanntgeben, dass ich nicht starten kann in Zofingen.» Im Gelenk zwischen dem Kreuz- und dem Hüftbein habe es immer Wasser und der Belgier befürchtet, dass in dieser Gegend sogar etwas gebrochen ist. «Sobald ich zurück in meiner Heimat bin, mache ich ein MRI um dann entscheiden zu können, ob ich bei zwei anderen noch geplanten Rennen starte oder ob ich die Saison sofort abbreche und mich dann mit voller Kraft auf die Rennen im nächsten Jahr vorbereite. »

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Gerangel um den Sieg

Dabei hatte sich Vansteelant so viel vorgenommen für den 25. Powerman Zofingen. Noch anfangs August liess er verlauten, dass er seinen WM-Titel verteidigen will. Dreimal (2009, 2011 und 2012) startete der Belgier, der am 21. Juni 31 Jahre alt wurde, beim Powerman Zofingen bisher und jedes Mal gewann er. Zweimal stellte Vansteelant dabei einen neuen Streckenrekord über 10 Lauf-, 150 Rad- und 30 Laufkilometer auf: 2009 mit 6:11.35 und 2011 mit 6:07.15. Einzig im letzten Jahr verpasste er eine weitere Verbesserung des eigenen Streckenrekordes nur gerade um 43 Sekunden. «Zum 25. Geburtstag des Powerman Zofingen würde ein neuerlicher Streckenrekord doch gut passen oder!?», gab sich Vansteelant cool. Die Tatsache, dass er am 26. November 2012, dank der Geburt seiner Tochter Marie, zum zweiten Mal Vater wurde, beflügelt die Rakete von Torhout zusätzlich, obwohl seine Saison schon zuvor durch kleinere Verletzungen geprägt gewesen war. Aber eben, das sagte er vor seinem Horror-Unfall, bei dem wieder sehr schlechte Erinnerungen hoch kamen.
Am 8. September 2007 wurde Benny Vansteelant, Joeri’s älterer Bruder, von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Dies alles während einer Trainingsfahrt auf dem Rad im belgischen Hooglede. Sechs Tage später, erlag der neunfache Weltmeister, fünffache Europameister und Powerman Zofingen-Sieger der Jahre 2005 und 2006 den Folgen dieses schrecklichen Unfalls im Spital von Roeselare.
Nun startet am 8. September einer aus der Pole-Position, der Joerie Vansteelant schon beim letzten Powerman Zofingen Rache geschworen hatte. «In den letzten drei Jahren konnte mich Vansteelant nur gerade einmal schlagen, ausgerechnet 2012 in Zofingen, denn in allen anderen Rennen war ich besser», sagt Rob Woestenborghs. Der im 60 Kilometer entfernten Turnhout geborene Belgier, der am 30. August 37 Jahre alt wird, gewann Ende Juli bei den World Games 2013 im kolumbischen Cali das Duathlon-Rennen und wurde damit ITU Duathlon-Weltmeister über die Kurzdistanz. «Mein Saison-Hauptziel war dieser Wettkampf in Kolumbien, den ich nun gewonnen habe.» Da dieser Wettkampf nur gerade einen Monat vor dem Powerman Zofingen angesetzt war, musste er sein Trainings-Programm danach herunterfahren und sich ein wenig Erholung gönnen. «Im Hinblick auf die letzten Vorbereitungen auf den 8. September ist dies natürlich nicht ideal, doch in Zofingen will ich wieder aufs Podium.» Woestenborghs spricht hinter verborgener Hand sogar von einem möglichen Sieg. «Bei meiner Premiere in Zofingen habe ich ein paar Fehler gemacht, die ich nun nicht mehr machen will. Zudem habe ich ein neues BMC-Velo, das mir bestens behagt.»

Spielverderber aus Schaffhausen

Fragte man Vansteelant, vor seinem Horror-Crash, nach seinen härtesten Konkurrenten im Kampf um den Sieg beim Powerman Zofingen 2013, sagte dieser: «Natürlich erwarte ich, dass Andy Sutz nach überstandener Verletzung wieder zu seiner alten Stärke finden wird. Weiter zähle ich meinen Landsmann Rob Woestenborghs, die beiden Franzosen Anthony Le Duey und Thibaut Humbert, plus den Dänen Søren Bystrup, der mich am 18. August dieses Jahres beim Powerman Austria in Weyer geschlagen hat, zu den Topfavoriten.» Humbert nahm sich Ende August, also wenige Tage vor dem Powerman Zofingen gleich selbst aus dem Rennen: «Ich werde dieses Jahr beim Powerman Zofingen nicht starten», liess der Franzose in einer kurzen E-Mail-Message verlauten. «Meine Form und meine Vorbereitung sind ungenügend, vielleicht komme ich ein anderes Mal wieder nach Zofingen.» Woestenborghs, der am Abend des 4. September in Zofingen ankommen wird, hatte bereits vor der schlechten News, dass Vansteelant nicht starten wird, einen speziellen Siegertipp für den Powerman
Zofingen 2013. «Irgend etwas in mir sagt mir ganz klar, dass Andy Sutz die grosse WM-Überraschung am 8. September sein wird!» Stefan Ruf, der OK-Präsident des Powerman Zofingen, schlug damals in die gleiche Kerbe. «Ich erwarte bei den Männern ganz klar einen Dreikampf zwischen Vansteelant, Woestenborghs und Sutz!» Und was sagt Andy Sutz selbst dazu? «Ich war in Zofingen noch nie annähernd so schnell wie die beiden erstplatzierten Belgier Vasteelant und Woestenborghs im letzten Jahr, werde aber auch heuer alles versuchen um vorne ein Wörtchen mitzureden.» Nach Bronze an der Langdistanz-EM am 21. April beim Powerman Holland in Horst aan de Maas, Silber an der Kurzdistanz-Duathlon-SM in Zofingen am 12. Mai und dem Sieg in Falkenstein beim Powerman Germany am 27. Mai will der 32-jährige Schaffhauser auch in Zofingen aufs Podest. «Ich möchte im Vorfeld nie von Platzierungen sprechen, sondern versuche einfach am Tag X meine bestmögliche Leistung abzurufen.» Und in Form ist Sutz, denn in Falkenstein hat er Vansteelant bereits heuer bezwungen, wenn der Event wegen Schnees auch nur über die Laufstrecke ausgetragen wurde. Von seinen früheren Verletzungen spürt der Powerman Zofingen
Sieger 2008 und 2010 absolut nichts mehr. «Im letzten Jahr konnte ich ja aufgrund meiner Verletzung überhaupt nicht laufen, musste nach einem Ermüdungsbruch und einem unverschuldeten Rad-Unfall sogar auf eine Teilnahme beim Powerman Zofingen verzichten. Somit bin ich da jetzt sicherlich stärker.
» Nicht zufrieden sei er einzig mit dem Intervall Duathlon in Zofingen, wo er hinter dem Zürcher Ronnie Schildknecht SM-Zweiter geworden war. Dort habe es ihn wieder einmal völlig „parkiert“, so der Schaffhauser. Auch Schildknecht wäre gerne nach Zofingen gekommen am 8. September, «doch ich bin dann leider in Las Vegas an der Triathlon Ironman 70,3-WM».

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Zweikampf bei den Frauen

Im Frauen-Rennen gibt es zwei grosse Abwesende: Wie im letzten Jahr pausiert auch diesmal Erika Csomor. Die 39-jährige Ungarin setzt vermehrt auf Triathlon.
«Ich habe diese Saison schon zwei Ironman-Rennen gewonnen und will‘s am 12. Oktober beim Ironman Triathlon auf Hawaii noch ein letztes Mal wissen.»
Dass sie den Powerman Zofingen zwischen 2004 und 2010 siebenmal in Serie gewonnen hat, hat Csomor aber nicht vergessen. «Ich komme sicher nach Zofingen zurück und wünsche allen einen tollen 25. Geburtstag!» Die zweite grosse Abwesende ist Melanie Burke, die bei ihrer Premiere in Zofingen 2011 gleich die ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships gewann. «Da ich wieder die Beinverletzung spüre, die mir im letzten Jahr in Zofingen schon zu schaffen machte, konnte mich nicht einmal für die WM qualifizieren.» Die 31-jährige Neuseeländerin bedauert sehr, dass sie heuer in Zofingen auch aus finanziellen Gründen nicht dabei sein kann, «zumal mir der Powerman Zofingen sehr ans Herz gewachsen ist». So bleibt die Titelverteidigerin Eva Nyström Kronfavoritin auf den WM-Titel bei den Frauen. «Ich hoffe, dass Lucy Gossage auch nach Zofingen kommen und um den WM-Titel kämpfen wird. Die Britin und ich kämpfen sowohl bei verschiedenen Duathlon- als auch Triathlon-Rennen seit anfangs 2012 regelmässig um den obersten Platz auf dem Podest.» Die
35-jährige Schwedin sieht Gossage zu recht als härteste Konkurrentin in Zofingen. Nyström, die sich in Zofingen in den Jahren 2007, 2008 und 2011 jeweils mit Platz 2 begnügen musste, weiss, wie hungrig das machen kann, endlich einen Sieg zu erringen. Zur Erinnerung: Gossage belegte beim Powerman Zofingen 2012 in einer Zeit von 7:10.09 hinter Nyström (7:05.48), Platz 2. «Ich war überrascht wie schnell ich im letzten Jahr in Zofingen war, denn ich war damals im Sommer noch verletzt», so Nyström, die am 29. Januar 2011 Mutter von Simon geworden war. «Das Wettkampfwetter war ideal, ich hatte einen guten Tag und wollte unbedingt gewinnen, da ich zuvor in Zofingen schon dreimal nur Zweite geworden war.» Nyström glaubt, dass der Streckenrekord (7:04.08) aus dem Jahre 2001 von Karin Bucher-Thürig am 8. September gebrochen werden könnte. «Wenn Lucy Gossage und ich einen guten Tag haben, können wir uns derart pushen, dass eine Zeit unter 7:04 möglich sein könnte. So haben wir zwei uns schon an den European Championships Long Distance in Horst aan de Maas heuer
so sehr gejagt, dass wir fast fünf Minuten schneller waren als 2012.» Allerdings dürfte sich Nyström in Zofingen eine andere Reihenfolge wünschen, als dies beim Powerman Holland am 21. April dieses Jahres der Fall war: 1. Gossage, 2. Nyström!

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04.09.2013